Asiatische Lippenbären vom Aussterben bedroht!
Die "Tradition
Seit mehr als 300 Jahren werden asiatische Lippenbären (sloth bear) in Indien von einer umherziehenden Volksgruppe, den sog. Kalander Gypsies, zu Tanzbären abgerichtet. Sie verdienen damit in stark frequentierten Touristenzentren in Indien, speziell in Delhi in der Nähe des Taj Mahal, Agra und Jaipur ihr Einkommen. Diese sog. "Tradition" wird von ahnungslosen Touristen unterstützt, die sich am Anblick der "tanzenden Bären" erfreuen und dafür Geld geben.
Über die qualvolle Tortur, die diese Bären über sich ergehen lassen müssen, wissen sie nichts.
Die Bären-Babys werden im Alter von 3 - 5 Wochen von Wilderern gekidnappt und an die Kalander verkauft, ihre Mutter wird erschossen. Ihre Zähne werden ohne jede Betäubung entfernt, die Krallen gezogen. Nur 20 - 30 % der Bären überleben die ersten Monate, 70 - 80 % sterben an Infektionskrankheiten, Unterernährung und Stress bereits bevor das brutale Abrichten begonnen hat.
Das Abrichten beginnt mit einem schmerzvollen Loch, das durch die hochsensible Nase des Bären gestochen wird, um einen Strick durchzuführen. Der Strick reibt ständig an der infizierten Wunde, die niemals heilt. In Zukunft wird ein kleiner Ruck an diesem Strick genügen, um sie zum Tanzen zu bringen, oft bis zu 12 Stunden am Tag.
Kalander-Rehabilitations-Programm
1996 wurde die australische Tierschützerin Mary Hutton auf das Leid der Lippenbären in Indien aufmerksam (bereits ein Jahr zuvor hatte sie ihre Organisation "Free The Bears Fund" gegründet, um asiatische Schwarzbären, denen in chinesischen Farmen unter grauenvollen Bedingungen Gallenflüssigkeit entnommen wird, zu befreien).
Gemeinsam mit Wildlife SOS errichtete sie in der Nähe von Agra ein Bärenschutzgebiet und rief das "Kalander-Rehabilitations-Programm" ins Leben. Dem Kalander wird für die Rückgabe seines Tanzbären eine alternative Einkommensmöglichkeit geboten. Für den Wert von umgerechnet ca. € 1.200,-- erhält er entweder ein kleines Stück Land, um eigenes Gemüse anzubauen - andere wollen einen Marktstand mieten, um ihre Produkte zu verkaufen oder erhalten eine Motor-Rikscha und gründen damit einenTaxi-Dienst.
Die Indische Regierung unterstützt dieses Projekt. Es ist seit 1972 verboten, Tanzbären zu halten - dem Bärenhalter drohen bis zu 7 Jahre Gefängnis. Immer mehr Tanzbären-Besitzer nehmen diese Aktion an. Sie wollen ihre Tiere nicht quälen, vielmehr sind sie seit Generationen ihre einzige Existenzgrundlage.
Unvorstellbare Armut ist die Ursache dieser grausamen Quälerei. Schätzungen zufolge kostet ein Bär 8000 Rupien (EUR 140,--) und bringt seinem Besitzer später 3000 Rupien (EUR 53,--) pro Monat - er stellt somit eine exzellente Einnahmenquelle dar, von der eine ganze Familie ernährt wird.
Derzeit leben ca. 1.000 Bären in Gefangenschaft! Obwohl der Lippenbär unter strengem Naturschutz steht (Washingtoner Artenschutzabkommen, Anhang A) wird sein Bestand in freier Wildbahn auf nur mehr 7 - 10.000 Tiere geschätzt. Fortschreitende Wilderei, unzureichende Schutzmaßnahmen und die rigorose Zerstörung ihres Lebensraumes lassen diesen Tieren keine Chance zum Überleben, er ist vom Aussterben bedroht!
In freier Wildbahn wird ein Lippenbär bis zu 30 Jahre alt - ein Bär in Gefangenschaft stirbt aufgrund seiner erlittenen Qualen meist nach 8 bis 10 Jahren.
"Free The Bears Fund" in Australien hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Fortbestand der Schutzgebiete sicherzustellen und weitere Bären zu befreien. Zusätzlich werden Verhandlungen mit der Indischen Regierung geführt, um mehr Land für Schutzgebiete zu bekommen.
Die befreiten Bären werden im Schutzgebiet in Agra medizinisch versorgt und gepflegt. Mittlerweile leben dort 72 Bären, davon 12 Jungtiere.
Keiner der beschlagnahmten Bären kann jemals wieder ausgewildert werden, sie wurden mit wenigen Wochen gefangen genommen und haben keine instinktiven oder erlernten Überlebensfähigkeiten.
Der Österreichischen Tierschutzverein möchte dieses Projekt dringend unterstützen!
Geld wird benötigt für:
- € 1.200,-- für den Rückkauf eines Tanzbären (2.000,-- Australische Dollar)
- € 145,-- für ein Jahr Betreuung und Pflege (AUD 250,--)
- € 73,-- für ½ Jahr Betreuung und Pflege (AUD 125,--)
- Wartung und Ausbau der bestehenden Bärenschutzgebiete
- Ausbildung der Pfleger
- Gründung weiterer Schutzgebiete
- Entwicklung lokaler Aufklärungskampagnen
Spendenkonto: PSK 93.115.500
Blz. 60.000
Kennwort: Nie wieder tanzen!
Fotos: Free The Bears Fund, www.freethebears.org.au
Der Lippenbär (sloth bear)
Der Lippenbär lebt in tropischen und subtropischen Wäldern in Indien, Nepal, Sri Lanka, Bangladesh und Butan.
Er ist ein friedliebender, dämmerungs- und nachtaktiver Einzelgänger. Mit seiner hochsensiblen, auffallend langen und sehr beweglichen Schnauze saugt er Termiten förmlich aus ihrem Bau, seine pflanzliche Nahrung holt sich der geschickte Kletterer direkt aus den Bäumen.
Sein Fell ist lang und struppig, rötlichbraun bis schwarz. Auf seiner Brust prangt ein cremefarbenes V-förmiges Zeichen. Seinen Namen verdankt er seiner verlängerten Unterlippe.
Er ist zwischen 140 und 170 cm groß, seine Schulterhöhe beträgt ca. 60 cm. Ausgewachsen hat er ein Gewicht zwischen 90 und 135 Kilogramm, männliche Bären können auch größer werden.
Die Paarungszeit findet im Juni, Juli statt und nach 6 Monaten Tragzeit bringt die Bärin 1-2 Junge zur Welt, die die Mutter nach dem Verlassen der Höhle häufig auf ihrem Rücken herumträgt. Mit 2-3 Jahren werden sie geschlechtsreif. In freier Wildbahn wird der Lippenbär 25 - 30 Jahre alt.
zum Seitenanfang



